Der innere Kompass.

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Es ist mir immer wieder eine große Freude, wenn ich dazu eingeladen werde mit Menschen meine Gedanken zu teilen. So hatte ich am Samstag, den 10. Oktober 2020 die Ehre bei der ersten virtuellen Abschlussfeier im Fachbereich Gestaltung der DIPLOMA Hochschule ein paar Worte zum Thema „Zukünfte und Selbstdesign“ zu sagen. Dabei durfte ich, als amtierende Masterstudierende im Fachbereich, als verbindendes Element zwischen den Bachelorabsolventen und den Masterabsolventen wirken.

Virtuelle Festlichkeit
Diese einzigartige Veranstaltung zeigte mir erneut, wie es möglich ist scheinbar unmögliches zu wagen. Und welche Chancen andere Wege uns bieten. So hatten die Absolventen das Glück Familienmitglieder dabei haben zu können, die ansonsten den weiten Weg nach Bad Sooden-Allendorf, dem eigentlichen Veranstaltungsort, nicht geschafft hätten. So fanden amtierende Studierende den Weg zur Veranstaltung, zu der sie ansonsten nicht einmal eingeladen gewesen wären. Wertvolle Erkenntnisse, Gedanken und Inspiration konnte zeitgleich in viele Haushalte Deutschlands getragen werden.

Um meine Rede – bevor ich sie hier noch einmal öffentlich mache – in den passenden Kontext zu setzen, möchte ich die Veranstaltung nun noch einmal kurz Revue passieren lassen. Aus Gründen, die bereits alle bestens kennen, konnte die Abschlussfeier des Fachbereichs nicht wie gewohnt in Bad Sooden-Allendorf stattfinden. Doch statt diese Veranstaltung, wie so viele andere, komplett abzusagen, wurde sie Dank der Initiative der Studenten in den virtuellen Raum verlegt. Stella Duck, eine meiner wertvollsten Freundinnen aus dem Studienkontext, hat unendlich viel Herzblut in die Organisation gesteckt und viele andere Kommilitonen und Dozenten animiert. Zusammen mit René Stach (aus Österreich) moderierte sie das Event charmant und machte es zum vollen Erfolg. Neben den obligatorischen Ansprachen der Studiengangsverantwortlichen wurden liebevoll gestaltete Videoclips gezeigt. Zu sehen waren die regelmäßig stattfindenden Treffen im Zuge der kreativen Zusammentreffen namens „Creative Camp“ und „Master Camp“, sowie die Werkschau des Abschlussjahrgangs. Die Bachelor- und Masterprojekte erhielten so den feierlichen Moment im Rampenlicht, den sie verdient haben. Es wurde gelacht, zusammen angestoßen und mit erhobenen witzig wackelnden Händen in die Webcam applaudiert. Die wohl rührendsten Momente bescherten die beiden Absolventenreden. Stella Duck sprach im Namen der Bachelorabsolventen Mut zu stolz zu sein auf die erbrachte Leistung, denn alle virtuell Studierenden seien Superhelden, mit unglaublichen Fähigkeiten. Sie dankte explizit auch den Helden hinter der Webcam: Den Familien und Freunden, ohne die ein nebenberufliches Studium unmöglich wäre. All denen, die sich noch auf dem Weg befinden, schenkte sie mit ihren Worten Zuversicht und Vertrauen. Marei Stade, die für die Masterabsolventen Sprach nutzte die Metapher eines flügelschlagenden Schmetterlings um die Wunder zu beschreiben, die während des Studiums in und um einen herum geschehen. Auch sie ermutigte alle anwesenden ihre Flügel auszubreiten und loszufliegen Richtung Zukunft. Und an diesem Punkt sind wir drei Sprecherinnen vereint: Im glauben an die eigene Zukunft. Meine Rede, die zeitlich zwischen die beiden anderen einzuordnen ist, möchte ich an dieser Stelle nicht vorenthalten. Es war mir ein Fest dabei gewesen zu sein und auch ich habe eine ordentliche Portion Inspiration mitgenommen.

Mein Beitrag
„Willkommen, ich bin Carmen Hiller und ich habe heute das Vergnügen etwas über Zukünfte und Selbstdesign zu erzählen. Als ich diesen Themenvorschlag bekommen habe, fühlte ich mich ehrlich gesagt vom Universum erst einmal ziemlich verarscht und ausgelacht. Denn seit ein paar Tagen sitze ich in eine Schuhschachtel in England, müsst ihr wissen, und fühle mich alles andere als wohl oder zukunftssicher. Wie es immer so ist wenn sich die Lage plötzlich ändert und ein neuer Lebensabschnitt beginnt, fühle ich mich als hätte ich keinen Boden mehr unter den Füßen. Plötzlich ist alles anders: Routinen müssen erst neu gefunden werden, nichts ist mehr ist alltäglich. Ähnlich wird es euch auch gehen, nach eurem Abschluss. Der bisherige Weg, auf dem man sich mittlerweile so gut ausgekannt hatte, hat plötzlich sein Ziel erreicht.

Dann stehen wir an einer Weggabelung und können uns entscheiden, wie es weiter geht. Vor uns, schier unendlich viele mögliche Zukünfte. Unter Ihnen gibt es wahrscheinlichere Zukünfte und unwahrscheinlichere Zukünfte, komplexere und weniger komplexere Szenarien. Worauf es allerdings ankommt ist – welche davon halten wir persönlich für wünschenswert. „Welches Ziel nehme ich mir als nächstes vor?“ ist die Frage. Ziele zu haben ist gut, doch Ziele haben auch einen großen Nachteil: Man kann sie erreichen oder eben nicht erreichen … und dann? Dann sind sie weg.

Wieder steht man an einer Weggabelung. Was jetzt? Und da, da kommt das Selbstdesign ins Spiel: Die Erschaffung des eigenen Selbst. Was für ein Mensch möchte ich sein? Was ist mir wichtig? Was wünsche ich mir? Was es demnach vielmehr braucht als ein Ziel auf der Landkarte, ist ein Anliegen. Die Frage was euch wirklich am Herzen liegt, was eure Seele zum tanzen bringt? Und dieses Anliegen könnt ihr dann betrachten, wie einen inneren Kompass, der euch die Richtung zeigt. Dieser Kompass besteht aus Freude, aus Herzklopfen, aus Leidenschaft …  Ja, auch die Bereitschaft zu leiden gehört dazu. Und wenn ihr euch entscheidet diesem Kompass zu folgen, dann macht das etwas mit euch. Plötzlich ist das Ziel nicht mehr das Wichtigste, sondern der Weg wird wichtig. Der Moment wird wichtig. Der nächste Schritt wird wichtig. Und dann ist es auch weit weniger schlimm, wenn der Weg holperig und anstrengend wird, denn ihr wisst, der Kompass zeigt in die richtige Richtung. Eurer Sehnsucht zu folgen wird zum Prozess auf dem ihr wie automatisch ein immer genaueres Bild eures Selbst erschafft. Es ist wie im Alltag auch: Es gibt eine Skizze, ihr habt eine Vorstellung und legt dann einfach los. Um eure Wünsche umzusetzen, braucht ihr vielleicht noch andere Werkzeuge, müsst neue Fähigkeiten erlernen, noch ein paar Tutorials machen, aber dass macht nichts, denn ihr seht dass es gut werden wird. Und seid auf eurem Weg.

Wie ich selbst weiß, manchmal ist der Kompass beschlagen und wir können nicht erkennen wo die Nadel der Freude, der Intuition, nun hin zeigt. Oder wir sehen zwar wo die Nadel hin zeigt, trauen uns aber nicht los zu gehen. Der Weg sieht ganz schön düster und holprig aus. Was machen wir dann? Wir müssen doch eine Entscheidung treffen! … Nichts. Wir tun nichts. Bewusst „nicht zu tun“ ist ebenfalls eine Entscheidung. Und wenn wir in unserem Kopf alle diese Zukünfte durchdacht haben und immer noch keinen Entschluss fassen konnten, dann haben wir für den Moment alles getan. … Dann sollten wir an der Kreuzung stehen bleiben, die Blumen betrachten die dort wachsen, den Boden fühlen auf dem wir stehen und das „nicht tun“ genießen. Denn auch das macht etwas mit uns. Der Impuls zum Weitergehen wird kommen. Ganz sicher! Denn ihr habt eine Leidenschaft die euch ruft. Und wenn ihr dann wieder losgegangen seid und der Kompass ändert plötzlich seine Richtung, weil ihr merkt, dass ihr falsch gegangen seid … na und? Dann schlagt ihr eben einen anderen Weg ein. Habt den Mut. Gebt dem Leben: Zeit. Raum. Vertrauen.

In diesem Sinne: folgt eurer Freude und nehmt euch die Zeit auch einmal zu verweilen.
Vielen Dank.“

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